
Wie sich eine alte Pferdeweide langsam in ein Stück lebendige Natur verwandelt. Im Jahr 2018 hatten Pieter und seine Familie die Möglichkeit, ein Stück Ackerland hinter ihrem Haus zu kaufen. Eine gewöhnliche, karge Pferdeweide. Aber nachdem sie den Dokumentarfilm The Biggest Little Farm gesehen hatten, fing es an zu jucken: Was wäre, wenn sie der Natur hier selbst eine Chance zurückgeben könnten? Nicht groß oder weltbewegend, aber Schritt für Schritt – auf ihre eigene Art.
Und so begann ihr Mini-Experiment. Jedes Wochenende nahmen sie sich ein paar Stunden Zeit dafür. Kein straffer Plan, keine großen Ziele. Nur Neugierde und Geduld. Denn wenn man der Natur ihren Lauf lässt, werden mit der Zeit wunderbare Dinge geschehen.
Sie wollten dieses Stück Land zu einem Ort machen, an dem man wirklich abschalten kann. Fernab von Bildschirmen, Erwartungen und Aufgabenlisten. Ein Ort, an dem sie sich erden können – im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Und vor allem:
Ein Ort, an dem sich Landwirtschaft und Natur nicht in die Quere kommen, sondern sich gegenseitig verstärken.
Nichts verschwindet, alles lebt weiter
Eine ihrer Grundregeln: Was auf der Wiese wächst bleibt auf der Wiese. Äste, Schnittgut, Gehölzschnitt, sogar Unkraut – alles wird wieder gebraucht und nährt das Bodenleben. Inzwischen wissen die Nachbarn, dass ihre Gartenabfälle bei Pieter immer willkommen sind. Sie sparen sich den Weg zum Containerpark, er bekommt wertvolle Rohstoffe. Alle sind zufrieden.
Sie versuchen, die Landschaft von früher wiederherzustellen, mit Hecken, Waldrändern und Baumreihen, die das Land unterteilen. So entsteht ein Flickenteppich aus kleinen Lebensräumen, in denen sich Insekten, Vögel und Säugetiere wohlfühlen.
Mit der Natur arbeiten
Perfektion ist nicht das Ziel. Sondern das Gleichgewicht. Und das bedeutet auch, dass man lernen muss, mit Enttäuschungen umzugehen. Kartoffeln anbauen? Kein Erfolg – der Boden ist voller Torfmolche. Gut für die Artenvielfalt, weniger gut für die Ernte. Im Obstgarten haben die Spinnentiere freie Bahn, weil es noch nicht genug Vögel gibt, die sie aufhalten könnten.
Es werden keine Düngemittel oder Pestizide eingesetzt. Keine Tricks. Der Natur wird Zeit gegeben, sich zu erholen – mit ihrer Hilfe, aber in ihrem eigenen Tempo.
Ein Labor der Wunder

Was als Inspiration begann, hat sich zu ihrem persönlichen Labor der Wunder entwickelt. Sie probieren, beobachten, lernen – und probieren wieder. Jedes Wochenende sind sie unterwegs und nutzen Apps wie ObsIdentify und PlantNet, um zu entdecken, was es da draußen gibt. Pieter weiß, dass das funktioniert, weil er nicht davon leben muss.
Für Landwirte ist das eine andere Geschichte. Dennoch hofft er, dass es in Zukunft mehr Raum für diese Art zu arbeiten geben wird: mit Respekt für die biologische Vielfalt, Wiederherstellung und Zusammenarbeit mit der Natur. Denn die Landwirte verfügen noch immer über einen großen Wissensschatz, der für eine nachhaltige Zukunft unverzichtbar ist.
Pflanzen Sie einmal einen Baum und spüren Sie, was das mit Ihnen macht. Vielleicht wird es nicht die Welt verändern. Aber es verändert etwas in einem selbst. Und das ist schon eine ganze Menge.
Pieter weiß nur zu gut, welchen Luxus er hat: Er lebt auf dem Land, in einem stabilen und sicheren Land wie Belgien. Nicht jeder hat diese Möglichkeit. Vielleicht werden sie später ihr Stück Natur für andere öffnen – als kleinen Beitrag zu deren Wohlbefinden. Wie das aussehen wird? Das ist eine Frage für später.
Im Moment lässt Pieter die Natur in aller Ruhe ihre Arbeit tun. Sie kümmert sich nicht um volle Terminkalender oder ausgefüllte Wochenenden. Sie erholt sich, wächst und blüht – Tag und Nacht, Saison für Saison. Und Pieter? Er schaut zu, genießt… und schwitzt gelegentlich stark.